Team RSV Unterweissach beim Flèche Allemagne 2017

  • Posted on: 07.05.2017
  • By: Stefan Steuer

Am Wochenende vom 29.04. auf 30.04.2017 fand die Radsternfahrt „Flèche Allemagne 2017“ statt. Diese Radsternfahrt mit Ziel auf der Wartburg in Eisenach in Thüringen wird alle 2 Jahre von der Organisation für Langstreckenradfahrer in Deutschland „Audax Randonneurs Allemagne (ARA)“ organisiert. Wem das alles etwas französisch vorkommt, liegt nicht falsch, da die Ausfahrten nach den Regeln des „Audax Club Parisien (ACP)“ durchgeführt werden. Langstrecke bedeutet dabei, dass die einzelnen Radstrecken Längen ab 200 km aufwärts aufweisen – am Stück versteht sich. Eine prominente Veranstaltung für Langstreckenradfahrer ist Paris-Brest-Paris, bei der eine 1200 km lange Strecke innerhalb von 90 Stunden absolviert werden muss. In diesem Zeitrahmen ist alles inklusive, essen, schlafen, fahren, Pannen, etc.

Nachdem zwei der Fahrer aus Unterweissach schon bei der letzten Austragung des „Flèche Allemagne“ in einem anderen Team mitgefahren waren, kam die Idee auf, diesmal mit einem eigenen Team zu starten. Ein Team beim „Flèche Allemagne“ besteht aus mindestens 3 und maximal 5 Fahrern, die eine Strecke von mindestens 360 km in 24 Stunden bewältigen müssen. Die Wegstrecke mit den Kontrollstellen wählt jedes Team selbst aus, lediglich das Ziel auf der Wartburg in Eisenach ist vorgegeben. Bei der Mindestdistanz ist die Randbedingung, dass die Organisatoren die Luftlinie zwischen zwei Kontrollpunkten messen, nicht die tatsächlich gefahrene Strecke. Weiterhin muss die letzte Kontrollstelle mindestens 25 km vor dem Ziel auf der Wartburg liegen und darf nicht vor 7 Uhr am nächsten Morgen passiert werden. Die Organisatoren des ARA stellen den Teams die sogenannten Brevet-Karten und Radschilder aus, nachdem diese ihre Strecken eingereicht haben und als gültig anerkannt worden sind. Auf den Brevet-Karten sind die Kontrollstellen aufgedruckt, auf denen mit Stempel, Uhrzeit und Unterschrift durch ein Nichtteammitglied die Kontrolle bestätigt werden muss. Begleitfahrzeuge sind ebenfalls nicht erlaubt.

Für das Team RSV Unterweissach fanden sich relativ schnell die Fahrer Herbert Häußer, unser bereits auf der Langstrecke erprobter Randonneur Hans Gronbach sowie unsere beiden Marathonisti Harald Knoblich und Stefan Steuer. Stefan wurde als Team-Kapitän auserkoren, der für Strecke und Kommunikation mit der ARA Organisation zuständig ist. Da die direkte Verbindung von Unterweissach in Richtung Eisenach weniger als die Mindestdistanz von 360 km beträgt, wurde die Strecke in einem Bogen nach Osten und erst dann nach Norden ausgesucht. Die Kontrollstellen im Einzelnen führten von Unterweissach über Obersontheim, Dinkelsbühl, Ansbach, Erlangen, Bamberg und Münnerstadt zur letzten Kontrollstelle „7-Uhr-Kontrolle“ in Breitungen an der Werra und dann quer über den Rennsteig nach Eisenach. Insgesamt gibt das eine Streckenlänge von ca. 421 km, die für die nächsten 24 Stunden anstanden.

Pünktlich mit dem Glockenschlag um 9:00 Uhr erfolgte der Start für die 4 Mutigen unter Anteilnahme zahlreicher Personen an der Kirche in Unterweissach, nachdem das Team zuvor mit einem Segenstext von Pfarrer Duncker bedacht wurde. Dieser Segen war wohl auch von Petrus vernommen worden, wir hatten jedenfalls keinen Regen oder andere besondere Schwierigkeiten mit dem Wetter auf der gesamten Tour, lediglich die Temperaturen am nächsten Morgen hatten noch deutlich Luft nach oben. Mit zügiger Geschwindigkeit führte als Erstes die Strecke über das Murrtal und die Schanze Fichtenberg nach Gaildorf, wo der erste steile Anstieg auf das Team wartete. Nach der Kontrollstelle Obersontheim ging es dann weiter nach Dinkelsbühl, wo neben dem obligatorischen Kontrollstempel nach ca. 4 Stunden Fahrzeit und 82 km Strecke eine Mittagspause angesagt war. Durch die historische Altstadt hindurch ging es dann weiter auf die Strecke Richtung Ansbach, wo der nächste Stempel in einem Eiskaffee auf der Brevet-Karte eingetragen wurde – nicht ohne einen leckeren Cappuccino für jeden Fahrer zu vergessen. So ging es weiter über Erlangen bis Bamberg, wo an einer Tankstelle die Vorbereitungen für die nun anstehende Nachtfahrt getroffen wurden. Das hieß schnell noch mal eine lange Hose drüber, noch eine Weste oder Trikot drunter und natürlich die Reflexionswesten für die gute Sichtbarkeit in der Nacht. Weiter ging es dann für die nächsten 85 km über Haßfurt nach Münnerstadt zur Nachtkontrollstelle, wo neben dem Stempel ein schwäbischer Eintopf und eine kurze Ruhepause auf einem Matratzenlager auf die mittlerweile etwas müden Flèche-Fahrer des RSV Unterweissach wartete. Nochmals vielen Dank für diese Möglichkeit. Mit neuer Energie hieß es dann ab 3:00 Uhr wieder: aufsatteln und Fahrt aufnehmen. Ein etwas harter Moment, der aber von allen Fahrern gemeistert wurde. In der Nacht waren die Temperaturen wegen dem klaren Wetter stark gefallen auf Werte bis -4 °C. Dadurch bildete sich Eis in den Trinkflaschen, die Energieriegel wurden gefährlich für die Zähne – nicht nur wegen ihres Inhalts, auch die Handschuhe mancher Fahrer waren nun im Grenzbereich angekommen. Bei der Überquerung der A71 bei Mellrichstadt begann die Morgendämmerung bei klarem Himmel – und nun waren die weißen Wiesen um uns herum gut zu erkennen.

Weiter führte die Strecke nun durch Meiningen bis Breitungen, wo eine Befürchtung von Stefan sich bewahrheitete: alle Geschäfte, aber vor allem die als Kontrollstelle eingeplante Bäckerei, hatten geschlossen. Es war zwar Sonntagmorgen, aber immerhin 7:00 Uhr! Nun war guter Rat teuer, aber Harald erhielt von einem Spaziergänger den richtigen Tipp: es gibt eine Tankstelle am Ortsausgang. Also nichts wie hin zur Tankstelle und den Kontrollstempel einsammeln. Erleichtert und mit neuen Energien machte sich das Team RSV Unterweissach vollzählig auf den letzten Streckenabschnitt nach Eisenach. Nun war nochmal Vollgas angesagt, da durch die Suche in Breitungen etwas mehr Zeit als geplant verstrichen war.

In zwei aufeinanderfolgenden Anstiegen wurde nun der Thüringer Wald und der Rennsteig gequert, bevor es dann mit einer schönen Abfahrt nach Eisenach hinein ging. Nach einer kleinen Verwirrung bezüglich des Platzes für die Abgabe der Brevet-Karten stand fest, dass hier wohl auch in Thüringen der „schwäbische Fuß“ bei der Ortsangabe zugrunde lag, der ja auch bis zum Bauch hoch reicht. Somit war klar, dass hier nochmal die 2,5 km lange und zu Beginn mit einer bis zu 15 % steilen Rampe versehenen Straße bis zum Parkplatz hinter der sogenannten Eselsstation zurückgelegt werden musste, was dann auch noch vom Team erfolgreich gemeistert wurde. Es mussten ja mindestens 3 der Team-Mitglieder zusammen ankommen, damit die Wertung gültig ist. Aber wir kamen komplett an und so konnte Team-Kapitän Stefan die zuvor eingesammelten Karten im Ziel abgeben, was vom Kollegen der ARA Organisation mit einem für die Brevet-Karte gigantischen Stempel quittiert wurde. Geschafft, aber zufrieden konnte sich nun dem Rahmenprogramm aus Duschen und dem Festbankett im Automobilmuseum auf dem EMW Areal gewidmet werden, wo viele leckere Dinge, wie etwa Thüringer Bratwürste, Fisch, verschiedene Desserts und Flüssiges zum Auffüllen der leeren Energiespeicher auf die Teilnehmer warteten. Von der ARA Organisation wurden erste Statistiken veröffentlicht, wonach insgesamt ca. 350 Fahrerinnen und Fahrer in 77 Teams mit Startorten verteilt über ganz Deutschland die Sternfahrt nach Eisenach bestritten haben.

Nachdem die Fahrer des Teams RSV Unterweissach wieder gestärkt waren, sich aber auch die Müdigkeit langsam bemerkbar machte, wurden wir samt Räder in Haralds neuem Auto mit Fahrradträger von Bärbel sicher wieder zurück nach Unterweissach gebracht. Auch dafür einen herzlichen Dank vom gesamten Team. Als Fazit kann man sagen, es war eine anstrengende, aber auch schöne Fahrt mit vielen Eindrücken, die das Team RSV Unterweissach ohne Schaden an Mensch und Material (sogar ohne Panne) absolviert hat.

Informationen:
Audax Randonneurs Allemagne - Homepage des Flèche Allemagne“

Streckenübersicht aller Teams für den „Flèche Allemagne 2017“ - Wer findet das Team RSV Unterweissach?

Audax, Brevet – was ist das? (Erklärungen auf Wikipedia)
Audax: aus dem Lateinischen für „kühn“, „verwegen“

Brevet: Ein Brevet bezeichnet im Radsport eine Langstreckenfahrt, bei der eine vorgegebene Strecke innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu fahren ist.

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