RSVler bei der Deutschland Tour 2018

  • Posted on: 31.08.2018
  • By: Stefan Steuer

Nach einer Unterbrechung von 10 Jahren wurde 2018 von der ASO, die auch die Tour de France veranstaltet, wieder eine Etappenfahrt in Deutschland über vier Etappen durchgeführt. Am Sonntag 26.08.2018 erreichte die Deutschland Tour mit der vierten und letzten Etappe die Region Stuttgart. Im Rahmen dieser Etappenfahrt für die Profis wurde auch für die Jedermänner eine Tour mit Renncharakter auf abgesperrten Strecken durch die Region Stuttgart versprochen. Diesem Angebot konnten die drei Radler des RSV Unterweissach Hans, Herbert und Stefan nicht widerstehen und meldeten sich für die lange 117,5 km Strecke an – natürlich die lange Strecke, denn kürzer geht eigentlich nicht.

Die Aussicht, in der Heimregion auf abgesperrten Strecken fahren zu dürfen wie die Profis, das hatte schon was. Unter normalen Bedingungen ist schon das normale Befahren der Strecken mit einem gewissen Risiko für Leib und Leben versehen. Die lange Strecke führte vom Schlossplatz in Stuttgart über die gesperrte B14, beim Cannstatter Wasen in Richtung Mettingen und Esslingen und Sirnau nach Deizisau, wo dann der erste Anstieg der Strecke mit bis zu 11 % Steigung auf die Fahrer und Fahrerinnen wartete. Von dort ging es weiter über Köngen, Wernau, Kirchheim unter Teck bis Ebersbach an der Fils, wo es eine Verpflegungsstelle gab. Danach stand gemäß Vorgabe des Streckenprofils der geographische Höhepunkt der Tour an, der Anstieg nach Schlichten durch das Nassachtal. Als Belohnung für die Mühen führte die Strecke anschließend über eine rauschende Abfahrt nach Schorndorf. Von dort aus ging es dann weiter durch das Remstal Richtung Geradstetten und Beinstein bis Waiblingen. Ab der Einfahrt über das Beinsteiner Tor befanden sich nun alle Jedermanntouren auf der Originalstrecke der Profis. Weiter ging es durch Waiblingen, Schmiden, Öffingen bis nach Remseck-Aldingen, wo die Strecke über die Staustufe Aldingen und nach Aldingen hinein führte. Weiter führte die Strecke in Richtung Mühlhausen und Münster, wo der finale Anstieg auf die Teilnehmer wartete. Von Münster ging es über Hallschlag und den Pragsattel hinauf bis zum Killesberg, ab dort begann die Abfahrt hinunter zum Ziel auf der Theodor-Heuss-Straße, wo auch die Profis nach ihrer dritten Runde mit dem Anstieg über den Herdweg das Ziel der Deutschland Tour erreichten. Auch die gesamte Strecke für die Jedermänner war komplett abgesperrt, so dass einem ungebremsten Vergnügen nichts im Wege stand.

Nachdem Stefan samstags die Startunterlagen für die drei RSVler in Stuttgart abgeholt hatte, ging es am Sonntagmorgen zum Start auf den Schlossplatz. Das Wetter spielte ebenfalls mit, es sollte ein Tag mit idealem Radlerwetter mit viel Sonne und nicht zu warmen Temperaturen werden. Auf dem Schlossplatz herrschte schon reges Treiben, tausende Radlerinnen und Radler bevölkerten den Schlossplatz mit den Startblöcken, in die es sich richtig einzusortieren galt. Nachdem an den Rädern die Startnummer mit Transponder und am Trikot die Rückennummer befestigt waren, fanden auch wir uns in unserem Startblock F ein. Ab 10:30 Uhr wurden dann die einzelnen Startblöcke mit kurzen Abständen von ca. 3 Minuten gestartet. Das bedeutete für uns, dass wir um kurz nach 11:00 Uhr erst wieder in Bewegung kamen. So konnten wir dem faszinierenden Schauspiel eine ganze Weile zuschauen, wenn sich ca. 3000 Radlerinnen und Radler wie ein nicht endender Lindwurm aus den Startblöcken auf dem Schlossplatz auf die Strecke zur B14 begaben.

Dann ging das Rennen los! Während Herbert unmittelbar mit der Suche nach den passenden Löchern zum Durchtunneln in den Radlerformationen suchte, suchten Hans und Stefan, wie sie den Anschluss an Herbert nicht verlieren würden. Entlang der Strecke fand sich eine große Zahl Menschen ein, die die Fahrerinnen und Fahrer lautstark anfeuerten. Mit zunehmender Fahrdauer kam dann alles immer mehr ins Rollen, so dass ab Mettingen oft Geschwindigkeiten von 50 km/h und mehr auf dem Tacho standen. Dieses Glück hielt an bis zum ersten Anstieg des Tages bei Deizisau, wo der bis dahin rasende Tross unsanft an die Geographie der Gegend erinnert wurde. Aber durch die bisher sehr zügige Fahrweise war soviel Schwung in den Radlerantrieben vorhanden, dass dieser erste Anstieg recht zügig absolviert wurde, lautstark unterstützt durch die vielen Menschen entlang der Strecke. Mit flottem Tempo ging es dann über die weiteren Wellen der Strecke bis Ebersbach an der Fils, wo sich Hans von Herbert und Stefan verabschiedete, weil er die Verpflegungsstelle nicht anfahren wollte – er hatte noch Körnerfutter in Reserve. So ging es für Herbert und Stefan als verbliebenes Duo nach einem kleinen Tankstopp wieder auf die Strecke und zum Anstieg durch das Nassachtal. Etwas mit Sorge beobachtete Stefan seinen Tacho, der am Talanfang noch bei 42 km/h und am Ortsende von Baiereck noch immer bei 36 km/h stand. Aber es lief – und dann soll man es nicht aufhalten! Aufgehalten wurde der Vorwärtsdrang dann doch noch ein wenig im oberen Streckenabschnitt des Nassachtals bis zur Straße nach Schlichten, wo in längst vergessene Gänge herunter geschaltet werden musste. Selbst hier waren viele Menschen an der Strecke, die die Fahrerinnen und Fahrer lautstark anfeuerten. Kaum oben angekommen wurde die Geschwindigkeit mit jedem Meter in Richtung Schlichten wieder hochgeschraubt, ideale Voraussetzung für die nun anstehende Abfahrt über die L1151 nach Schorndorf.

Auf der Abfahrt zeigte Herbert sein ganzes können. Nach einer sehr kurzen Bedenkzeit schaltete auch Stefan in den beschleunigten Abfahrtmodus um – schließlich war doch die Straße komplett gesperrt. Dadurch vergrößerte sich der Aktionsbereich von der linken bis zur rechten Leitplanke, was das Glücksgefühl deutlich steigerte. Heil in Schorndorf angekommen, ging es dann auf bekannten Wegen in Richtung Waiblingen zum Beinsteiner Tor. Etwa in Beinstein stellte Stefan fest, dass Herbert nicht mehr bei ihm in der Gruppe war, er musste dem bisher gefahrenen Tempo Tribut zollen. Da aber die aktuelle Gruppe von Stefan gerade so gut lief, entschied er sich dafür, hier dran zu bleiben und weiter zu fahren. Die Streckenpfeile waren die gleichen wie bei der Tour de France, so dass man sich nicht verfahren konnte. Bei der Einfahrt durch den Torturm in die historische Innenstadt von Waiblingen gibt es einen kurzen Abschnitt mit Kopfsteinpflaster. Wenn Stefan dort etwa mit der Feierabendtour des ADFC Remseck vorbeikommt, dann ist das etwas ganz anderes als diesmal, wo es mit knapp 45 km/h da drüber ging – als Mini-Hommage an Paris-Roubaix! Immerhin waren am Ende der Passage noch alle Teile am Rad dran, das Carbon hat gehalten, was es verspricht.

Weiter ging es dann über Schmiden und Öffingen nach Remseck-Aldingen, wo zur Überrschung von Stefan bei der Staustufe Aldingen die kleine Verkehrsinsel bei der Zufahrt zur Staustufe verschwunden und völlig glatt asphaltiert war. Das machte das Abbiegen auf die Staustufe für die Jedermänner und natürlich auch für die noch folgenden Profis ungemein einfacher, so dass die Geschwindigkeit gehalten werden konnte. Auf der anderen Seite der Staustufe gab es gleich die nächste Überraschung für Stefan, dort hatten sich einige Radlerinnen und Radler der ADFC Ortsgruppe Remseck positioniert, um ihn anzufeuern. Nach einem kurzen Begrüßungsstopp mit Foto ging es weiter Richtung Mühlhausen, vorbei an einer großen Menschenmenge und einem weiteren ADFC-Radler, der sich am Ortsende positioniert hatte, bevor es dann raus auf die L1100 nach Mühlhausen ging.

Nach der Durchfahrt der Austraße gegenüber des Max-Eyth-Sees begann dann ab Münster der finale Anstieg für die Jedermänner. So langsam machte sich auch die bis hier hin hohe Geschwindigkeit bemerkbar, so dass der Antrieb nicht mehr ganz so flüssig lief wie noch etwa bei Waiblingen. Da dies aber auf alle dort angekommenen Radlerinnen und Radler zutraf, motivierte das noch einmal, den Beinen ordentlich Vortrieb zu entlocken. Auf dem einigermaßen ebenen Abschnitt über den Hallschlag konnte noch einmal etwas Luft mobilisiert werden, um ab dem Löwentor den Pragsattel zu erklimmen und von dort aus noch mal den Killesberg zu besteigen. Stefan wusste bis dato nicht, dass der Killesberg so hoch liegt – das hatte fast alpine Dimensionen!

Aber die folgende Aussicht über Stuttgart, bevor die Abfahrt in eine Schussfahrt überging, entschädigte für die Mühen des Anstiegs. Auf der Abfahrt waren nun wieder eher die Bremsgummis als der Antrieb gefragt, damit die Sache noch ein gutes Ende nehmen konnte. Unten in Stuttgart angekommen ging es noch unter dem Teufelslappen hindurch auf die letzten 1000 m der Strecke, wo unter lautstarker Anfeuerung der Zuschauer zum Sprint auf der Zielgeraden angesetzt wurde. Hinter der Zielpassage war dann langsames Ausrollen in Richtung des Kronprinzplatzes angesagt, wo die Regenerationsphase mit Getränken und Roter Wurst begann. Der Platz war fast zu klein für alle Teilnehmer, die sich hier einfanden.

Nach einer kurzen Wartezeit im Zielbereich traf dann auch Herbert geschafft, aber wohlbehalten und guter Dinge, auf dem Kronprinzplatz ein. Nun galt es noch Hans in dem Haufen Radler zu finden, was nach ein paar hin und her verpassten Anrufen gelang – er war gar nicht so weit von Herbert und Stefan entfernt. So vereint ging es nach der ersten Stärkung wieder zur Strecke, da nun die drei Zielrunden der Profis mit dem Anstieg über den Herdweg und passieren des Zielbereichs anstand.

Die Profis hatten als kleine Zusatzaufgabe ab dem Killesberg noch ca. 23 km vor sich. Und der Anstieg über den Herdweg ist allen bestens bekannt – aber eigentlich nur als Abfahrt gern genommen. Anders als noch eine Stunde vorher, als man selbst im Ziel angekommen war, fegten die Profis beim ersten und zweiten Mal durch den Zielbereich, dass die Fahnen am Rand der Strecke sich neu ausrichteten – das mit immerhin 175 km Strecke, die die Fahrer, wie Nils Politt, Pascal Ackermann, Maximilian Schachmann oder Matej Mohoric, schon absolviert hatten. Unter enormer Anfeuerung der Zuschauer im Zielbereich in Stuttgart wurde von Nils Politt die vierte Etappe gewonnen, die Gesamtwertung holte sich Matej Mohoric.

Alles in Allem war das eine sehr gut organisierte Tour auch für die Jedermänner, wo durch die Streckenführung und das super Publikum entlang der gesamten Strecke ein richtiges Renngefühl für die Fahrerinnen und Fahrer aufkam. Es hat Spaß gemacht, die neue Ausgabe der Deutschland Tour in 2018 mit ihrem Rahmenprogramm. Vielen Dank an alle, die die Fahrerinnen und Fahrer so unterstützt haben.

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