Deutsche Meisterschaft 2017 in Hamburg

  • Posted on: 30.10.2017
  • By: Jürgen Lange

Spannend wie ein Thriller und ein Happy End wie in einem Liebesfilm: So verlief die deutsche Kunstrad-Meisterschaft in Hamburg für Manuel und Viola Brand vom RSV Unterweissach. Für die Geschwister waren es ihre bisher erfolgreichsten nationalen Titelkämpfe. Viola Brand holte sich bei den Frauen den Titel und die Fahrkarte zur Weltmeisterschaft in Dornbirn, Manuel kam bei den Männern auf Rang fünf.
Die beiden RSC-Starter waren mit unterschiedlichen Zielen an die Elbe gefahren. Vizeweltmeisterin Viola Brand peilte den Titel und die Qualifikation für die WM von 24. bis 26. November in Österreich an. Manuel Brand wäre schon mit der Finalteilnahme überglücklich gewesen und war am Ende mit Rang fünf hochzufrieden, auch wenn er knapp am Finale vorbeigeschrammt war.
Eng war’s auch bei den Frauen für seine jüngere Schwester Viola. Sie begann in der Vorrunde stark. Bis zur Rückwärtsserie ging alles gut. Dann stand die Studentin plötzlich zwischen zwei Übungen auf dem Boden. Zwei Punkte waren weg. Ein erneuter Sturz bei der Seitvorhebehalte rückwärts kostete sie weitere fünf Zähler. Mit 172,48 Punkten setzte sich Brand zwar an die Spitze, war mit dem Ergebnis aber unzufrieden. WM-Quali und der Einzug ins Finale waren in Gefahr. Erst recht, als die nachfolgende Maren Haase (Nordrhein-Westfalen) ein perfektes Programm gezeigt, dabei elf Punkte Vorsprung auf die Weissacherin erzielt und im Rennen um den Start in Dornbirn viel Boden gutgemacht hatte. Eifrig wurde gerechnet und festgestellt, dass die Weissacherin in der Gesamtwertung vom großen Vorsprung aus den vergangenen drei Wettkämpfen noch 0,3 Zähler ins Ziel gerettet hatte. Bei den nächsten zwei Startern ging es nicht mehr um die WM, aber um die Qualifikation fürs Finale bei den deutschen Titelkämpfen. Iris Schwarzhaupt (Stuttgart) kam auf 174 Punkte und verwies Brand auf Platz drei. Es wurde richtig eng, kamen mit Milena Slupina (Bayern) und Weltmeisterin Lisa Hattemer (Rheinland-Pfalz) doch noch zwei echte Hausnummern im Kampf um den Titel und um die WM-Tickets. Slupina (174 Zähler) ließ die Weissacherin in beiden Fällen knapp hinter sich. Nun lag der Verlauf der weiteren Saison der Vizeweltmeisterin aus dem Täle an der Leistung der amtierenden Weltmeisterin aus der Pfalz. Die patzte jedoch gleich zu Beginn und schon nach kurzer Zeit war klar, das Viola Brand nach Dornbirn fährt. Nun ging’s noch um den Finaleinzug. Nach einem erneuten Fehler purzelten bei Hattemer weitere Punkte. Nach fünf Minuten waren es nur 0,64 Zähler, die der Weltmeisterin zu Brand und zum Finale fehlten.
Im Finale ging es für alle wieder von vorne los. Und diesmal passte bei Viola Brand alles. Als erste Finalstarterin zeigte die Miedelsbacherin eine perfekte Kür. Alles klappte und sie präsentierte 30 Übungsteile, von denen eins schöner war als das andere. Die Handstände waren sicher und bei der Lenkerdrehung holte die Weissacherin zwei Zusatzpunkte. Am Ende gab es hervorragende 183,94 Zähler. Das reichte mit 0,36 Punkten Vorsprung auf Maren Haase (183,58) zum Titel. Dritte wurde mit großem Abstand Milena Slupina (172,94). Das Quäntchen Glück, das Brand in den vergangenen Jahren bei wichtigen Wettkämpfen oft gefehlt hatte, war ihr diesmal beschert.
Für Manuel Brand war es das achte Wettkampfwochenende in Folge. Das machte sich in Form von Nackenschmerzen bemerkbar. Physiotherapeutin Anke Kreher musste Hand anlegen, um Brand den Start zu ermöglichen. Dennoch präsentierte er vor dem strengen aber fairen Kampfgericht eine fehlerfreie Kür. Selbst die Drehungen, mit denen der Sportler in den letzten Wettkämpfen immer mal wieder Probleme hatte, waren perfekt. Unter großem Applaus verließ Brand nach fünf Minuten die Fläche und setzte sich mit 170,80 Punkten zunächst an die Spitze. Von den nachfolgenden sieben Sportlern kamen noch vier an Brand vorbei. Damit hatte er das Finale knapp verpasst, der undankbare fünfte Rang war in seinem Fall aber ein Platz der Freude, war es doch sein größter Erfolg bei einer deutschen Meisterschaft. Den Titel sicherte sich am Ende Weltmeister Lukas Kohl (Bayern) vor Moritz Herbst (Wendlingen).

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